Der erste Schritt zum Social Web — ein Wikipedia-Eintrag

Viele ken­nen und schät­zen sie — die Enzy­klo­pä­die Wiki­pe­dia. Im All­ge­mei­nen wird sie als ein wich­ti­ger Bestand­teil des „Mitmach-Webs” ange­se­hen. Des­halb möchte ich kurz skiz­zie­ren, wel­che Bedin­gun­gen erfüllt sein soll­ten, um als Kul­tur­ein­rich­tung oder Künst­ler einen Wikipedia-Eintrag anzu­le­gen. Wel­che Vor­teile das bringt und wie man auf die ange­leg­ten Arti­kel die Zugriffe mes­sen kann, zeige ich anschlie­ßend. Aber keine Angst: der erste Schritt ins Social Web ist leicht umgesetzt.

Die Kul­tur und ihre Wikipedia-Relevanz

Eine wich­tige Frage, die man sich vor dem Erstel­len eines Wikipedia-Eintrags stel­len sollte, ist die nach der Rele­vanz der eige­nen Kul­tur­ein­rich­tung bzw. künst­le­ri­schen Arbeit. Unter den Rele­vanz­kri­te­rien für Wiki­pe­dia, sind für den Kul­tur­be­reich fol­gende Abschnitte inter­es­sant (kleine Auswahl):

  • 5.11 — Ver­eine, Ver­bände und Bürgerinitiativen
  • 7.4 — Bil­dende Künstler
  • 7.5 — Dar­stel­lende Künst­ler, Mode­ra­to­ren, Film-Stab
  • 7.8 — Musi­ker und Komponisten
    • 7.8.1 — Allgemein
    • 7.8.2 — Orches­ter, Ensem­bles, Chöre und ver­gleich­bare Personengruppen
    • 7.8.3 — Pop– und Rockmusik
  • 8.9 Musi­kal­ben
  • 8.10 Musik­fes­ti­vals

Bei den Kri­te­rien für Ver­eine, Ver­bände und Bür­ger­in­itia­ti­ven wird ersicht­lich, dass die genann­ten Merk­male wie „über­re­gio­nale Bedeu­tung”,  „beson­dere mediale Auf­merk­sam­keit”, „beson­dere [Anm. von Kul­tur­geist: d.h. auch eine lange] Tra­di­tion” und „signi­fi­kante Mit­glie­der­zahl”, als rela­tiv unge­nau zu bezeich­nen sind. Umso bes­ser für Kul­tur­in­itia­ti­ven, die durch den Wikipedia-Eintrag eine durch­gän­gige, öffent­li­che Prä­senz erhalten!

So gesche­hen auch bei der Kron­berg Aca­demy. Mal abge­se­hen davon, dass das Kri­te­rium der „über­re­gio­na­len Bedeu­tung” sowieso gege­ben ist — und somit die Rele­vanz für Wiki­pe­dia — wird das Merk­mal der „beson­de­ren media­len Auf­merk­sam­keit” durch deren Blog gewähr­leis­tet. Denn ein Blog erzeugt im Ide­al­fall mehr Auf­merk­sam­keit als eine Web­site, da der Aspekt der Rekon­nek­ti­vi­tät mit der Umwelt (d.h. Ver­bin­dun­gen zu ande­ren Blog­gern, Micro­blog­ging sowie zu sozia­len Netz­wer­ken) stär­ker fokus­siert wird.

Möchte ein frei­schaf­fen­der Musi­ker sich einen Wikipedia-Eintrag anle­gen, so sollte er die unter Punkt 7.8.1 genann­ten Merk­male beach­ten. Rele­vant ist er dann, wenn er:

  • Inha­ber von über­re­gio­nal oder künst­le­risch bedeu­ten­den Stel­len mit lei­ten­der Funk­tion (Thea­ter, Oper, Orches­ter, Musikhochschule …)
  • Trä­ger von ehren­hal­ber oder funk­tio­nal ver­lie­he­nen aner­kann­ten musi­ka­li­schen Titeln (Kapell­meis­ter, Kir­chen­mu­sik­di­rek­tor, Kon­zert­meis­ter, Kammersänger …)
  • auf meh­re­ren im all­ge­mei­nen Han­del erhält­li­chen Ton­trä­gern mit Solo­par­tien vertreten
  • wie­der­holt über­re­gio­nal auf­ge­tre­ten (Tour­neen, Solo­auf­tritte bei rele­van­ten Fes­ti­vals oder Fest­spie­len) ist
  • […]

Wie man sieht sind diese Bedin­gun­gen nach­voll­zieh­bar. Jedoch stel­len sie kei­nen Garant dar, nicht durch Wikipedia-Administratoren aus­se­lek­tiert zu wer­den. Zumin­dest ist mit den Rele­vanz­kri­te­rien ein unge­fäh­rer Leit­fa­den jedem an die Hand gege­ben, auf die er sei­nen Ein­trag hin über­prü­fen kann.

Vor­teile eines Wikipedia-Eintrags

  • kon­ti­nu­ier­li­che Prä­senz außer­halb der eige­nen Web­site, Blogs etc., an der viele Leute mit­schrei­ben können

→ Erhö­hung der Glaub­wür­dig­keit und Trans­pa­renz, weil die Dar­stel­lung der Einrichtung/des Künst­lers in Rich­tung Öffent­lich­keit gerückt wird

  • Google lis­tet den Wikipedia-Artikel extra und meist in den Top-10

→ höhere Auf­merk­sam­keit des poten­zi­el­len Interessenten/Besuchers

  • viel­fäl­tige Kul­tur­land­schaft in Deutsch­land vor­han­den, aber ver­hält­nis­mä­ßig wenig, zuwei­len uner­gie­bige Doku­men­ta­tion einer bestimm­ten Kultureinrichtung/-vereins

→ zumeist erst­ma­lige Doku­men­ta­tion der Einrichtung/des Künst­lers über­haupt, d.h. Grau­li­te­ra­tur wie Flyer kön­nen ver­mie­den werden

→ durch die Enzy­klo­pä­die ist eine sys­te­ma­ti­sche Erfas­sung mög­lich, die zusätz­lich noch Quer­ver­bin­dun­gen bie­tet und Über­blicksin­for­ma­tio­nen mit­tels Kate­go­rien mög­lich macht (Bei­spiel: Liste der Orches­ter)

Zugriffe auf Wikipedia-Einträge messen

Unter http://stats.grok.se/ befin­det sich ein inof­fi­zi­el­les Statistik-Werkzeug, mit dem Zugriffe auf ein­zelne Wikipedia-Artikel erfasst werden.

Zu beach­ten ist, dass es jeden Auf­ruf eines Arti­kels erfasst, selbst wenn Sie den­sel­ben Arti­kel mehr­mals auf­ru­fen. Daher sind mehr oder weni­ger nur Ten­den­zen ables­bar, um über­haupt eine Vor­stel­lung davon zu haben, wie viele Leute sich einen bestimm­ten Arti­kel im Monat ange­schaut haben.

Am Bei­spiel der Kron­berg Aca­demy sieht das so aus:

Wie man sieht wurde im April 2010, 141-mal die Kron­berg Aca­demy auf Wiki­pe­dia auf­ge­ru­fen. Ein beacht­li­cher Wert, der für einen Ein­trag auf Wiki­pe­dia spricht.

Falls jemand andere Dienste/Werkzeuge kennt, mit den man Zugriffe auf die Wikipedia-Artikel mes­sen kann, dann bitte als Kom­men­tar posten.

Der Kul­tur­geist — The­men, die die Kul­tur bewegt (Teil 1)

Was bewegt die Kul­tur in die­sen Zei­ten? Eine der mög­li­chen Ant­wor­ten lau­tet: das »Social Web« (auch bekannt als »Web 2.0«). Es offe­riert neue Werk­zeuge (soziale Netz­werke, Blogs & Mikro­blogs usw.), die ein ver­än­der­tes Ver­ständ­nis von Kom­mu­ni­ka­tion und Par­ti­zi­pa­tion, um Inhalte im weltweit-öffentlichen Raum, vor­aus­set­zen. Die Orga­ni­sa­ti­ons­form des Netz­werks ist dabei bestim­mend für das »Social Web«.

Im Kul­tur­be­reich ist das „Netz­wer­ken” unter den Akteu­ren schon längst eta­bliert. Im Bereich des Inter­nets, fehlt bis­her ein für die­ses Medium sinn­haf­ter Zusam­men­hang von Kul­tu­rak­teur, Kunst und Publi­kum. Anders for­mu­liert: Kul­tur sollte im Inter­net Kunst­for­men medi­en­ge­recht prä­sen­tie­ren, sowie Schnitt­stel­len anbie­ten, damit Men­schen an der Kul­tur­pro­duk­tion im wei­tes­ten Sinne teil­ha­ben kön­nen. »Social Web« als Ver­wirk­li­chung des „Kul­tur für alle”-Gedankens (vgl. Hof­mann, Hil­mar: Kul­tur für alle. Per­spek­ti­ven und Modelle. 1979)?

In dem Kul­tu­rak­teure (u.a. Künst­ler und Kul­tur­ein­rich­tun­gen) sich selbst als Marke bzw. Sinn– und Iden­ti­täts­stif­ter ver­ste­hen, und Teile/Ausschnitte der Kunst­werke ins »Social Web« trans­por­tie­ren bzw. Pro­zesse von der Ent­ste­hung die­ser, doku­men­tie­ren und Ansatz­punkte zur Inter-/Reaktion lie­fern, gewähr­leis­ten sie Trans­pa­renz und Reso­nanz­fä­hig­keit. Denn Kunst an sich ist bedeu­tungs­voll, muss aber trotz­dem im Inter­net um Auf­merk­sam­keit rin­gen. Ihr hilft dabei die assoziativ-positive Kon­no­ta­tion, die sie umgibt und die Begeis­te­rungs­fä­hig­keit, die sie bei den Men­schen aus­löst. Kul­tur begeis­tert also — und durch das »Social Web«, erreicht sie wesent­lich mehr Men­schen, als je zuvor.

  • Sei­ten

  • Kate­go­rien